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ISBN- 9 783000 268977

 

Dritte erweiterte Auflage

 

flage

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Vorträge über die Flucht, Wehrdienst, Reisen, Grenzübergang Marieneborn Autobahn, können gebucht werden.

Zum Beispiel für Schulen, Vereine, oder andere Interessenten.

 

Finanzielle Unterstützung bietet die Bundesstiftung Aufarbeitung.

Siehe:

https://www.zeitzeugenbuero.de/index.php ?id=detail&tx_zrwzeitzeugen_zeitzeugen% 5Buid%5D=159&tx_zrwzeitzeugen_zeitzeu gen%5Bcontroller%5D=Zeitzeugen

 

In der Anlage zum Buch sind einige Kurzgeschichten aus meiner DDR-Zeit.   Hier einige Auszüge

 

Sie handeln von meiner Zeit als Zivilangestellter bei den Grenztruppen der DDR, als ich am Grenzübergang Marienborn/Helmstedt arbeitete

 

und  aus meiner NVA-Zeit ( Nationale Volksarmee ) sowie aus meiner Zeit als Reiseleiter bei „Jugendtourist“ der DDR.

Textauszüge

Anekdoten aus der DDR

Reiseleiter

 

Irgendwann wurde ich auf eine Stelle als Reiseleiter bei „Jugendtourist“ aufmerksam. Mit etwas Glück konnte man in diesem Job in Länder reisen, die nicht dem sozialistischen Währungssystem (NSW-Länder, so war der Sprachgebrauch für Länder außerhalb des Ostblocks) angehörten. Da ich schon immer auf eine Reise ins „richtige Ausland“ scharf war, ging ich der Sache nach und bewarb mich. Über die Kreisleitung der FDJ (Freie Deutsche Jugend) wurde ich vermittelt und musste einige Schulungen besuchen, bis ich dann Reiseleiter wurde. Dieser Tätigkeit ging ich allerdings nicht hauptberuflich nach, sondern wurde nur für die Reisen, die ich unternahm, bezahlt und freigestellt. Ein Besuch der NSW-Länder war mir nicht gestattet. Hierfür waren nur ausgesuchte Stelleninhaber zugelassen und außerdem hatte ich als Nicht-Parteimitglied sowieso keine Chance. Doch was ich mit dem Reiseleiter-Job erreicht hatte, war auch schon nicht schlecht.

Nur meine Frau fand das nicht so gut, dass ich häufiger mal weg war. Ich nahm sie so oft es ging mit, somit gab es keinen Ärger zu Hause.

In der DDR gab es zwei Reisebüros. Das staatliche Reisebüro der DDR, die hatten nur wenig Angebote zu hohen Preisen in das sozialistische Ausland und das Jugendreisebüro, das eigentlich für junge Leute bis 27 Jahre sein sollte, hier gab es günstigere Preise. Das Niveau der Reisen war sehr unterschiedlich. Es gab für DDR-Verhältnisse ganz gute Reisen, aber manche waren eben auch grottenschlecht, in Bezug auf Unterkunft, Verpflegung und Reiseort.

Ich war in Polen, in der Tschechoslowakei, in Rumänien und Bulgarien. Da die Reisen nicht alle von Jugendlichen ausgebucht waren, konnten auch „verdiente Werktätige“, die älter als 27 Jahre waren, mitfahren. Meine Aufgabe war einerseits die gesamte Administration, die war in einem sicherheitsfanatischen Staat nicht ohne, andererseits die Zusammenarbeit mit dem Jugendreisebüro zu organisieren. Dann war da noch der kulturell-politische Teil. Die Jugendlichen sollten nicht einfach nur Urlaub machen, nein sie sollten vor der Reise politische und kulturelle Hintergründe über das Brüdervolk von mir erhalten.

Ich musste die Reisenden darüber belehren, dass sie keinen Kontakt mit westlichen Bürgern aufnehmen sollten, besonders nicht zu Bundesbürgern. Insbesondere die weiblichen Reisenden sollten keinen Kontakt oder gar Freundschaften zu Bundesbürgern eingehen. Es sollte ein Reisesprecher gewählt werden, der möglichst Genosse (SED Mitglied) war. Die Leute der Reisegruppe machten diese Dinge mehr oder weniger mit. Echten Gegenwind habe ich nie erhalten, da alle sozialistisch aufgewachsen waren und auch reisen wollten. Wenn sich einer quer gestellt hätte, hätte eine Meldung von mir ausgereicht und die Reise wäre für ihn zu Ende gewesen. Aber ich merkte natürlich die Abneigung gegen solche politischen Vorgaben und mir waren diese Veranstaltungen immer unangenehm.

Vor Ort ging diese politische Aufklärung, die letztlich eine Gängelung war, weiter. Ich musste Gruppenabende durchführen und gemeinsame Ausflüge organisieren. Daran hatten die jungen Mensche natürlich kein Interesse, sie wollten einfach etwas erleben, allein oder in kleinen Gruppen, die sie selbst bestimmten, ohne sozialistisch-politischen Reiseleiter. Ich konnte es absolut verstehen, aber für meine Berichte musste ich wenigstens ein bisschen etwas vorweisen. Denn nur Lügen und das noch in schriftlicher Form, war gefährlich, man wusste nie, wer in der Gruppe war. Selbst wenn die Leute keine schlechte Absicht hatten und mich später lobten, wie schön es war einfach nur Urlaub gemacht zu haben, ohne Kollektiv, ohne Veranstaltung, ohne politische Diskussion, hätte ich es ausbaden müssen. Ich versuchte diesen Teil so gering wie möglich zu halten. Es gab noch andere Reisegruppen aus den Bruderländern mit deren Reiseleitern ich in Verbindung trat und wir organisierten Fußballspiele. Das kam bei den meisten gut an und ich hatte was für meinen Bericht.

Eines Abends, es war in Bulgarien am Schwarzen Meer, ging ich mit meiner Frau in eine Disko, die in einem Hotel war. Die Beleuchtung war, wie es nun so ist in der Disko, dunkel und man konnte nur bedingt etwas sehen. Wir waren schon ein Weilchen da, als ich zur Toilette ging und an der Bar vorbei musste. Da sah ich auf dem Barhocker zwei Mädchen aus meiner Reisegruppe. Neben ihnen saßen zwei junge Männer. Alle amüsierten sich anscheinend gut, sie lachten, die Mädchen wurden umarmt, jeder hielt einen großen Cocktail in der Hand und es lagen West-Zigaretten auf der Bar. Für mich war klar, dass es keine „Kameraden“ vom sozialistischen Brudervolk waren. Für einen kurzen Moment trafen sich mein Blick mit dem eines der Mädchen. Sie verlor sofort ihr Lachen und ging in sich, die andere bemerkte das Verhalten von ihrer Freundin und schaute sie fragend an.

Ich wollte und durfte es nicht sehen, was dort lief, denn dies hätte ich in meinen Bericht schreiben müssen und sie wären nie wieder mit „Jugendtourist“ in den Urlaub gefahren. Wäre es rausgekommen, dass ich es nicht in den  Bericht geschrieben habe, dann wäre ich nie wieder mit „Jugendtourist“ in den Urlaub gefahren.

So entschloss ich mich wegzuschauen, als hätte ich nichts gesehen und ging in dem Gedränge mit den Rücken an ihnen vorbei. Als ich von der Toilette kam, waren sie samt Begleitung verschwunden und das war gut so, sonst hätte ich nämlich verschwinden müssen. So waren alle zufrieden und sind weiter mit Jugendtourist der DDR in den Urlaub gefahren und ich behielt meinen Reiseleiterposten.