spannend
bildend
informativ
Preisinfo: 17,95€[D]/18,50€[A]
ISBN- 9 783000 268977
Dritte erweiterte Auflage
flage
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Vortrag mit folgendem Inhalt kann gebucht werden:
- Flucht
- Wehrdienst NVA
- Reisen mit DDR Jugendtourist
- Grenzübergang Marienborn Autobahn
Zum Beispiel für Schulen, Vereine, oder andere Interessenten.
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Textauszüge
Anekdoten aus der DDR
In der Anlage zum Buch sind einige Kurzgeschichten aus meiner DDR-Zeit. Hier einige Auszüge
Sie handeln von meiner Zeit als Zivilangestellter bei den Grenztruppen der DDR, als ich am Grenzübergang Marienborn/Helmstedt arbeitete
und aus meiner NVA-Zeit ( Nationale Volksarmee ) sowie aus meiner Zeit als Reiseleiter bei „Jugendtourist“ der DDR.
Der Fiffi
Am Ende der Sperranlagen befand sich die massivste aller Sperrvorrichtungen der Grenzübergangsstelle (GÜST): Der „Fiffi“.
"Fiffi" war keine offizielle Bezeichnung. Jeder jedoch, der hier arbeitete wusste, was der Fiffi war. Er befand sich im letzten Drittel auf dem Weg von der GÜST zur Grenzlinie DDR-BRD, hinter den Kontrollen, wenn man aus Richtung Osten kam.
Ähnlich wie in Berlin war die Autobahn hinter der GÜST bis zum Grenzstrich links und rechts mit einer Mauer versehen. Vom Fiffi bis zur Grenzlinie waren es noch ca. 400 Meter.
Auf der A2 gab es zwei Fahrspuren für die Einreise in die DDR und zwei zur Ausreise.
Neben den Spuren war auf jeder Seite ein kleiner oberirdischer Betonbunker, in dem
der Fiffi installiert war. In jedem dieser Betonbunker stand ein ca. 30 Tonnen schwerer
Stahlträger auf Rädern: der Fiffi. Die Räder liefen auf Schienen. Diese Schienen
waren mit dem beweglichen Stahlträger auf eine schiefe Ebene gestellt, die in Richtung
A2 Autobahn geneigt war. Die Schienen verliefen quer über die Autobahn. Am vorderen
Stück des Stahlträgers war ein Stoßdämpfer eines Flugzeugfahrwerks angebracht. Im
Falle eines Fluchtversuchs, rollte der 30 Tonnen schwere Fiffi die Schräge hinab
quer auf die Autobahn. Damit waren alle Fahrspuren der A2 komplett blockiert. Selbst
einem Panzer wäre es nicht gelungen, den 30-Tonnen-Koloss von der Fahrbahn zu schieben.
Einen besseren Wachhund konnte sich die GÜST nicht wünschen.
Damit Flüchtige ihre Flucht nicht zu Fuß fortsetzen konnten, stand hinter dem Stahlkonstrukt noch ein Postenhaus mit drei DDR-Grenzern, zwei Wehrpflichtigen und einem Unteroffizier. Da in der DDR das Sprichwort „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ besonderen Stellenwert genoss, wollte man diesen Grenzern nicht die Möglichkeit geben, selbst über die offene Autobahn in den ca. 300 Meter entfernten Westen zu fliehen. Deshalb wurde kurz vor der Grenzlinie, jedoch hinter der Mauer, ein Postenturm erbaut. Dort waren weitere DDR-Grenzer postiert, die zwar freies Schussfeld auf die Autobahn hatten, selbst jedoch nicht auf die Autobahn in Richtung Westen fliehen konnten, da sie hinter der Mauer waren. Jeder bewachte jeden.
Bei ausgelöstem Alarm wurde der 30-Tonnen-Fiffi, der unter normalen Umständen für die Öffentlichkeit verdeckt im Bunker stand, automatisch ausgefahren. Selbst ein Stromausfall wurde einkalkuliert. Im Postenhaus gab es einen Hebel, mit dem die Grenzer mittels eines Seils einen Haken am Fiffi lösten und diesen damit durch seine eigene Schwerkraft auf die Autobahn „lockten“.
Zu meiner Zeit hatte es nur ein Flüchtiger mit einem LKW bis dorthin geschafft. Ihm gelang es mit großer Geschwindigkeit irgendwie die anderen Sperren zu überwinden. Schon das war fast unmöglich. Dann ist er jedoch, wahrscheinlich in der Hoffnung es gleich geschafft zu haben, mit voller Wucht in den Fiffi gefahren. Leider kostete ihn das sein Leben.
Der 30-Tonnen-Fiffi konnte über diesen Versuch nur müde lächeln. Er hatte nur ein paar Schrammen und war ein paar Zentimeter aus dem Gleis gesprungen. Weiter konnte er nicht, da er von beiden Seiten durch Betonmauern festgehalten wurde.
Die gesamte Anlage war zwar sehr simpel, aber dennoch äußerst zuverlässig konstruiert.
Einmal im Monat mussten wir Elektriker und Schlosser die Anlage warten und überprüfen. Dafür wurde die Autobahn kurzzeitig gesperrt und der „Fiffi“ wurde aus seiner „Hütte“ geholt. Ich erinnere mich immer noch an die Gesichter der Reisenden, die in der Nähe in ihren Autos saßen und über den wahrscheinlich schwersten Wachhund der DDR staunten……….